17 Jahre „Grundschule am Burgwall” – wie die Wildberger Schule zu ihrem Namen kam

Heute vor 17 Jahren, am Freitag, dem 16. Oktober 2009, wurde aus der „Grundschule Wildberg” offiziell die „Grundschule am Burgwall”. Schüler, Lehrkräfte, Eltern und Gäste feierten die Namensverleihung mit einer kleinen Zeremonie und pflanzten gemeinsam einen Baum auf dem Schulgelände. Die Schule erinnert in diesem Jahr in den sozialen Medien an den Tag – Anlass für uns, einmal zurückzublicken.

Namensverleihung der Grundschule am Burgwall in Wildberg am 16. Oktober 2009
Namensverleihung am 16. Oktober 2009

Warum „Burgwall”?

Der Name ist kein Zufall: Wildberg zählt zu den geschichtsträchtigsten Orten im Temnitztal. In der Denkmalliste des Landes Brandenburg sind für die Gemarkung Wildberg gleich zwei Burgwälle aus dem slawischen und deutschen Mittelalter als Bodendenkmale eingetragen (Nr. 100067 und 100070), dazu Siedlungsspuren von der Jungsteinzeit bis ins Mittelalter. Mit dem Namen knüpft die Schule an die über tausendjährige Siedlungsgeschichte des Ortes an – ein bewusst lokaler und unpolitischer Bezug, der sich deutlich von der Namenstradition der DDR-Zeit abhebt.

Feierstunde zur Namensverleihung der Grundschule am Burgwall 2009
Feierstunde zur Namensverleihung 2009

Ein Name nach schwierigen Jahren

Die Namensgebung 2009 fiel in eine Zeit, in der der Fortbestand der Schule gerade erst gesichert worden war. Laut Schulchronik erwog die damalige Amtsverwaltung im Jahr 2006 aus Kostengründen die Schließung des Standorts, weil neue Brandschutzbestimmungen umfangreiche Baumaßnahmen nötig machten. Der Widerstand aus den Dörfern des Einzugsbereichs war erheblich; die Protestaktionen hatten nach kurzer Zeit Erfolg. Die Schule blieb – und bekam drei Jahre später einen eigenen Namen. Schulleiterin war zu dieser Zeit Dagmar Schindler, die die Schule von 1991 bis zu ihrem Ruhestand im Januar 2013 leitete und ihr insgesamt 40 Jahre verbunden war.

Namensverleihung Grundschule am Burgwall Wildberg 2009
16. Oktober 2009 in Wildberg

Von der Zentralschule zur „POS Rudi Wendt”

Die Schulgeschichte Wildbergs beginnt 1946 mit der Gründung einer achtklassigen Zentralschule. Unterrichtet wurde im Gutshaus derer von Zieten sowie in den alten Schulgebäuden in der Kirchstraße und in der Ernst-Thälmann-Straße. Zum Einzugsbereich gehörten Kerzlin, Lüchfeld, Küdow, Vichel, Garz, Rohrlack und Wildberg. Ende der 1960er Jahre lernten hier rund 300 Schüler bei etwa 20 Lehrkräften; wegen Platzmangels entstanden 1968 und 1972 zwei Baracken mit behelfsmäßigen Klassenräumen. Sport fand auf dem Schulhof statt – im Winter im Saal der Konsumgaststätte, was laut Chronik „insbesondere nach Tanzveranstaltungen” nicht immer reibungslos lief.

Von 1978 bis 1980 wurde die Schule zur zehnklassigen Polytechnischen Oberschule ausgebaut. Erstmals konnte in Wildberg der 10-Klassen-Abschluss erworben werden. Wie fast alle Oberschulen der DDR trug auch die Wildberger einen Namenspatron: Sie hieß „POS Rudi Wendt”.

Der Neubau von 1983

Im November 1982 wurde der Grundstein für den lang ersehnten Schulneubau am Werdersteg gelegt, am 1. September 1983 folgte die feierliche Einweihung. In den Herbstferien zog die Schule mit tatkräftiger Hilfe der Dorfbevölkerung um; damals besuchten etwa 220 Schüler die Einrichtung. Im Herbst 1984 waren die Außenanlagen fertig – aus einem „zerstückelten und teilweise primitiven Schulobjekt”, wie es die Chronik formuliert, war eine Schulanlage geworden, die im ganzen Kreis Beachtung fand. Zu den Höhepunkten der 1980er Jahre gehörten Bereichsspartakiaden mit den Schulen aus Protzen und Walsleben, der Besuch einer französischen Delegation 1986 und ein Schüleraustausch mit Minsk 1989.

1991: Grundschule Wildberg

Mit der Neuordnung des Schulwesens nach der Wende wurde die POS 1991 zur Grundschule Wildberg für die Klassenstufen 1 bis 6 – der Name Rudi Wendt verschwand damit, wie an den meisten Schulen Ostdeutschlands. Das Amt Temnitz übernahm die Trägerschaft und legte die Einzugsbereiche neu fest: Neben den traditionellen Orten kamen nun auch Kinder aus Gottberg, Werder und Dabergotz nach Wildberg. Zeitweise wurden bis zu 280 Schüler von 15 Lehrkräften unterrichtet. 1996 gründete sich auf Initiative von Eltern und Lehrern der Schulförderverein „Temnitz Kids”, der die Schule bis heute unterstützt.

Ab dem Schuljahr 1998/99 sanken die Einschülerzahlen; seit 2003/04 ist die Schule einzügig, der Hort zog ins Schulgebäude. Seit 2005/06 arbeitet sie als verlässliche Halbtagsschule mit Hort – verbunden mit erneuten Umbauten, aus denen Cafeteria, Küche, Bibliothek und Kreativraum hervorgingen.

Chronik im Überblick

  • 1946: Gründung der achtklassigen Zentralschule Wildberg im Gutshaus von Zieten
  • 1968/1972: Zwei Schulbaracken wegen Platzmangels
  • 1978–1980: Ausbau zur zehnklassigen POS „Rudi Wendt”
  • November 1982: Grundsteinlegung Neubau am Werdersteg
  • 1. September 1983: Einweihung des Neubaus
  • 1991: Umwandlung in die Grundschule Wildberg (Klassen 1–6), Träger Amt Temnitz
  • 1996: Gründung des Fördervereins „Temnitz Kids”
  • 2003/04: Einzügigkeit, Hort im Schulgebäude
  • 2005/06: Verlässliche Halbtagsschule mit Hort
  • 2006: Schließungspläne der Amtsverwaltung, erfolgreicher Protest
  • 16. Oktober 2009: Namensverleihung „Grundschule am Burgwall”, Baumpflanzung
  • 2013–2016: Schulleitung Thomas Kopf
  • 2017–2023: Schulleitung Petra Müller-Gülde
  • Seit 2024: Schulleitung Dorén Meintzer
  • 2023/24: Komplette Neugestaltung des Schulhofs, Feier zu 40 Jahren Schulgebäude
Namensverleihung Grundschule am Burgwall Wildberg 2009
Namensverleihung 2009

Die Schule heute

Die Grundschule am Burgwall (Werdersteg 1) ist eine von zwei Grundschulen in Trägerschaft des Amtes Temnitz. Hier lernen Kinder aus allen Ortsteilen der Gemeinde Temnitztal – Wildberg, Rohrlack, Garz, Vichel, Küdow-Lüchfeld und Kerzlin – sowie aus Märkisch Linden (Werder, Gottberg) und Dabergotz. Die Schülerzahlen steigen laut Schule inzwischen wieder.

Weitere Bilder von der Namensverleihung 2009

Waren Sie dabei?

Wer am 16. Oktober 2009 bei der Namensverleihung oder der Baumpflanzung dabei war oder noch Erinnerungsstücke aus der Zeit der „POS Rudi Wendt” besitzt: Wir freuen uns über Fotos, Dokumente und Erinnerungen – und ergänzen den Beitrag gern.

Quellen: Schulchronik der Grundschule am Burgwall (grundschule-wildberg.de); Amt Temnitz, Schulverzeichnis; Schulporträt Brandenburg, Schulnummer 100330; Denkmalliste des Landes Brandenburg, Landkreis Ostprignitz-Ruppin, Stand 01.01.2026 (BLDAM); temnitztal.de, „Spatenstich für den neuen Schulhof Wildberg” (Juli 2023); Angaben ehemaliger Schüler.